Warum ungefilterte und unbearbeitete KI-Grafiken keine gute Idee sind.
Allerorten ist KI in aller Munde und auch im Büro nutze ich es oft für unterstützende Tätigkeiten, ABER es gibt meiner Meinung nach Bereiche, wo KI mehr Fluch als Segen ist. Eins davon ist unsere geliebte …
… schwäbisch-alemannische Fasnet.
Unsere schöne Fasnet lebt von Tradition und Brauchtum. Damit verwoben ist vor allem auch Handwerkskunst, die im Ursprung Herzblut, Kreativität, Können und eine Liebe zum Detail bedeutet, die aus so vielen Dingen erwachsen ist:
- Die Traditionen einer Zunft, so jung oder alt Sie auch sein mag, die mit den Jahren gewachsen ist und den Charaker einer Zunft ausmachen.
- Eine Zunftsage mit Eckpunkten, die einen Rahmen für die Zunft und deren Auftreten, sowohl während der Fasnet, als auch in der “Es goht dagega”-Zeit, ergeben.
- Eine Verbindung in der Präsentation mit dem Brauchtum und Geschichte.
Wieso ich das hier schreibe?
Weil mir in den sozialen Medien gerade heute wieder aufgefallen ist, dass immer mehr Zünfte nur noch rein KI-generierte Bilder, teilweise sogar als Profilbild und damit als Aushängeschild der Zunft nutzen. Dabei sieht man den generierten Bildern schon von Weitem an, dass sie mit KI generiert wurden!
Was dabei herauskommt, ist ein Griesbrei an vermeintlich hübschen, aber nichtssagenden Bildchen, die meiner bescheidenen Meinung nach, so überhaupt nicht die schwäbisch-alemannische Fasnet wiederspiegeln und für mich als Grafiker eines komplett vermissen lassen:
Die Seele der Fasnet!
Was ich als psionierter Grafiker und Narr über die KI-Grafiken denke:
Man verschwindet damit in einem Sumpf aus Mittelmäßigkeit und Uniformität.
Natürlich verstehe ich die Beweggründe, die da wären:
- Zeit-/Kostenersparnis
- Fehlen eines Grafikers
- Auf den ersten Blick hübsch
Aber bei näherer Betrachtung sind alle KI-Grafiken gleich:
- Gleiche Gesichtszüge der Figuren.
- Gleiche Körperhaltungen.
- Gleiche weichgespülte Farbschemata
- Gleichartige Schriften und Titelgestaltung.
- Gleiche Darstellungsfehler.
Im Kern kommt dies daher, dass ein LLM (Large Language Model) nicht wirklich etwas Eigenes erschafft, sondern nur alle erlernten Daten zu einem passenden Einheitsbrei zusammenstellt. Im Grunde ist jede KI-Grafik nichts anderes als eine hochgranulare Kollage aus Quelldaten, die meist aus dem Netz zusammengeklaut wurden.
Das bedeutet nicht, dass ich den Einsatz von KI in der Narrenzunftarbeit ablehne. Aber es bedeutet, dass besonders im Umgang mit KI im Umfeld von Brauchtum und Tradition sehr darauf geachtet werden muss, dass der usprüngliche Charakter einer Zunft erhalten bleibt und man Zeit, Mühe und Herzblut in allen Dingen wiederfinden muss, die mit der Fasnet zu tun hat.
Leider bedeutet der Einsatz von KI in den meisten Fällen: Man macht es sich leicht und gibt sich als Kompromiss mit etwas zufrieden, was mit der Fasnet, oder mit der eigenen Zunft, in mehr oder weniger großen Teilen nicht mehr viel zu tun hat.
Ich hätte nie gedacht, dass ich als Grafiker das mal sagen, aber:
Da wär mir das gute, alte, selbstgemachte Bilde mit Comic Sans inzwischen viel lieber, als die zigtausendste weichgespülte KI-generierte Grafik.
KI-Kennzeichnungspflicht
Ein weiterer Aspekt dabei ist die neue Kennzeichnungspflicht für Grafiken und Bilder, die mittels KI generiert oder verändert wurden.
Nach den Vorgaben des EU AI Act (der seit August 2026 gilt) müssen auch Vereine bestimmte KI-Grafiken kennzeichnen. Um eventuelle Abmahnungen zu verhindern, sollte man aber lieber einmal mehr als einmal zu wenig kennzeichnen.
Es gelten dabei folgende Grundregeln für die Kennzeichnung:
- Täuschend echte Bilder: Wenn eine KI-Grafik wie ein echtes Foto aussieht und Betroffene glauben könnten, es handele sich um eine reale Begebenheit oder echte Personen/Orte (Deepfakes).
- Stark manipulierte Bilder: Wenn reale Vereinsfotos durch KI so verändert wurden, dass sie die Realität verfälschen.
Wichtiger Kontext:
Sobald der Verein als Organisation agiert, greifen die obenstehenden Transparenzregeln und eine reine Privatnutzung ist ausgenommen.
Selbstgemacht ist immer noch am Sichersten.
Im Grunde ist die sicherste Methode, diese potentiellen Probleme zum umgehen, dass man selbst erstellte Grafiken verwendet und sich eine Bibliothek für die Drucksachen und sozialen Medien dafür aufbaut.
Ein kleines Beispiel ist unsere winkende Hex, die urspünglich aus einer einfachen Kuli-Zeichnung entstanden ist und am Ende gut und gerne bisher 20 Stunden Arbeit verschlungen hat. Genau so ist es mit unserem Zunftwappen,
welches als Bleistiftzeichnung angefangen hat. Auch hier hat es lange gedauert und viel Zeit und viel händische Arbeit gebraucht, das so in Vorlagen zu erstellen, dass es am Ende überall benutzbar ist. So haben wir uns langsam eine Sammlung unserer wichtigsten Grafiken erstellt. Mit viel Mühe und viel Handarbeit. Mit KI wäre es sicherlich schneller gegangen, aber das wären auch nicht wirklich “wir” gewesen.
Miteinander.
Und genau aus dem Grund, soweit es meine Zeit erlaubt, helfe ich befreundeten Zünften und Zunftmeistern immer gerne mit Grafiken, Vektorisierungen, Vorlagen, Internetseiten und mehr. Einfach aus Liebe zur Fasnet und weil ich der Meinung bin:
Zusammen geht alles besser als allein.
Aber was ich im Grunde damit sagen möchte ist:
Narrenzunft-Grafiken müssen nicht immer perfekt sein.
Sie müssen ECHT sein und HERZBLUT vermitteln.
Sie müssen die TRADITION und unser BRAUCHTUM transportieren und vermitteln.
Quellen:
Das Beitragsbild wurde von Hand bearbeitet.
Die Ausgangsgrafik ist ein Foto und stammt von www.Magnific.com (Designed by Magnific).