Die Sage

Hier findest Du die Grundlage unserer Zunft sowohl in schwäbischer Mundart, als auch in der Originalfassung mit Quellenangabe.

Unsere Zunftsage in schwäbischer Mundart:

D’ Ulmer Lechthal-Hex
Es war amol vor reacht langer Zeit,
en Lechthaler hot sich bsonders gfrait,
dass seine Gschäftr in Ulm so guat laufat,
drom isch’r en a Wirthaus en Ulm zom saufa,
do verzehlt’r ällerhand Zuig aus seim Ländle,
au vom Hexaberg Bidmig verzehlt’r a Stündle,
no frogt’r end Rond ob oiner da Bidmig kennt,
glei a alts Weib henter em Ofa vor zennt:
“Zwisch Wälzau ond Steeg der Buckel isch”,
dr’ Lechthaler wondert sich wieso des so isch,
No frogt’r a bissle rom, bei älle Fromme,
dia saget: “Des alte Weib isch no nia wegkomma”,
Do denkt’r sich glei dass des bloß oin Grond het,
des isch a richtiga Hex ond dia war scho amol det.
Am nächschte Morga gohts weiter mit em Karra,
doch dr’ oine Gaul lahmt, hot der etz an Sparra,
doch denkt’r des kah bloß dia Hex gwea sei,
loßt en Fluach naus und dr’ Spuk isch vorbei,
uf oimol gohts weiter als isch gar nix gwea,
het er sich umdreht, het er doch gseah,
wia henter’m Baum ‘s alte Weib heimlich stoht,
se grinst weil se woiss: Ihr Ruaf nia meh vergoht.
Etz kennat’r d’Gschicht von dem Ulmer Weib,
a richtiga Hex wars hond’rs gmerkt Ihr Leut,
heut bin i scho uralt, guggat mi bloß oh,
bloß no an dr’ Fasnet bin i jetzt do,
om a bissle zom hexa, ond a bissle zom strähla,
om a bissle zom feschta ond a bissle zom quäla,
doch liabe Leut jetzt ben I fertig, oho!
A gleis bissle dank wär a lauts NARRI…

… NARRO!

(Frei nach der Sage “Die Ulmer Hexe” aus dem Buch “Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol”, gesammelt und herausgegeben von Johann Adolf Heyl, Brixen 1897, Nr. 52, S. 39)

Unsere Zunftsage im Originaltext

Die Ulmer Hexe

Ein Lechthaler [Lechtaler] kam einst mit seinem Frachtfuhrwerk nach Ulm und erzählte in einem Wirtshause Geschichten von seiner Heimat, so auch vom Hexenberg Bidmig. Im Scherze fragte er, ob jemand vom Bidmig wisse; da antwortete ein altes Weib, welches hinter dem Ofen saß:
“Ja, zwischen Welzau und Steeg.”

Dem Fuhrmann kam dies seltsam vor. und deshalb fragte er nach und erfuhr, dass das alte Weib nie von Ulm fortgekommen sei. Nun erkannte er, dass die Alte eine Hexe und bei den dortigen Hexenversammlungen gewesen sein müsse.

Als er am nächsten Tage weiter fuhr, hinkte sein Gaul. Er dachte gleich an die Hexe und fluchte recht. Da gieng es wieder weiter.

Quelle:
Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, gesammelt und herausgegeben von Johann Adolf Heyl, Brixen 1897, Nr. 52, S. 39